31 May 2026

Mehrere anhängige Verfahren in deutschen Gerichten sowie beim Europäischen Gerichtshof beschäftigen sich mit Forderungen von Spielern, die zwischen 2012 und 2021 Verluste bei Online-Casinos erlitten haben, während der damalige Glücksspielstaatsvertrag ein generelles Verbot für solche Angebote vorsah. Kläger argumentieren, dass die Betreiber ohne rechtliche Grundlage Wetten angenommen hätten, was potenziell zu Schadensersatzansprüchen in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro führen könnte, falls Gerichte zugunsten der Spieler entscheiden. Die Fälle treffen jedoch auf erhebliche rechtliche Hürden, da die Gültigkeit des früheren Verbots unter EU-Recht geprüft wird.
Spieler aus verschiedenen Bundesländern haben seit 2023 Klagen eingereicht, in denen sie die Rückzahlung von Einzahlungen verlangen, die während des Zeitraums getätigt wurden, als der Interstate Treaty on Gambling ein flächendeckendes Verbot für private Online-Casino-Angebote durchsetzte. Deutsche Gerichte in mehreren Instanzen befassen sich mit der Frage, ob die damaligen Betreiber gegen nationale Vorschriften verstießen und ob daraus zivilrechtliche Ansprüche entstehen. Parallel dazu wurden Vorabentscheidungsverfahren an den Europäischen Gerichtshof weitergeleitet, um die Vereinbarkeit des deutschen Verbots mit EU-Dienstleistungsfreiheit und Niederlassungsfreiheit zu klären.
Die Verfahren betreffen Betreiber, die ihren Sitz oft in Malta oder anderen EU-Staaten hatten und trotz des deutschen Verbots Spielern aus Deutschland Zugang gewährten. Kläger stützen ihre Argumentation auf die fehlende Lizenzierung unter dem damaligen Regelwerk, während Beklagte auf die mögliche Unvereinbarkeit des Verbots mit europäischem Recht verweisen. Im Mai 2026 stehen in mehreren Verfahren mündliche Verhandlungen an, die Aufschluss über den weiteren Verlauf geben könnten.
Gerichte prüfen, ob das frühere Verbot nach EU-Recht Bestand hatte, da der Europäische Gerichtshof bereits in früheren Fällen nationale Glücksspielbeschränkungen anhand von Verhältnismäßigkeit und Kohärenz bewertet hat. Experten des Europäischen Parlaments haben in Berichten darauf hingewiesen, dass Mitgliedstaaten Spielerschutzmaßnahmen rechtfertigen müssen, ohne gegen Grundfreiheiten zu verstoßen. Die aktuelle Situation zeigt, dass Verfahren vor deutschen Oberlandesgerichten und dem Bundesgerichtshof auf Entscheidungen des EuGH warten, um einheitliche Maßstäbe festzulegen.
Behörden wie die Europäische Kommission haben in Stellungnahmen zu ähnlichen Fällen betont, dass nationale Verbote nur dann aufrechterhalten bleiben, wenn sie nicht diskriminierend wirken und durch zwingende Allgemeininteressen gerechtfertigt sind. Die Klägerseite sieht in den anhängigen Fällen eine Möglichkeit, frühere Regelungen nachträglich zu hinterfragen, während Betreiber auf die rechtliche Unsicherheit während des Verbotszeitraums verweisen.

Schätzungen aus Branchenanalysen deuten darauf hin, dass erfolgreiche Klagen zu Rückzahlungen in erheblichem Umfang führen könnten, da allein in Deutschland Millionen von Spielkonten während des fraglichen Zeitraums aktiv waren. Gerichte bewerten derzeit, inwieweit Verjährungsfristen oder Mitverschulden der Kläger eine Rolle spielen. Einige Verfahren haben bereits zu Vergleichsangeboten geführt, während andere bis zu höheren Instanzen fortgeführt werden. Die Europäische Kommission dokumentiert in ihren Jahresberichten zu Binnenmarktfragen ähnliche grenzüberschreitende Streitigkeiten, die Aufschluss über mögliche Muster geben.
Deutsche Aufsichtsbehörden beobachten die Entwicklungen, ohne direkte Stellungnahmen zu den laufenden Zivilverfahren abzugeben. Die Fälle konzentrieren sich ausschließlich auf den Zeitraum 2012 bis 2021 und betreffen keine Angebote, die nach Inkrafttreten des neuen Staatsvertrags 2021 reguliert wurden.
Im Mai 2026 liegen mehrere Verfahren beim EuGH zur Vorabentscheidung vor, während deutsche Landgerichte auf diese Richtlinien warten, um eigene Urteile zu fällen. Bisherige Entscheidungen einzelner Instanzen zeigen unterschiedliche Tendenzen, wobei einige Klagen abgewiesen wurden und andere zur weiteren Beweisaufnahme zugelassen sind. Branchenverbände wie die European Gaming and Betting Association haben in Positionspapieren auf die Notwendigkeit rechtlicher Klarheit hingewiesen, ohne auf konkrete Fälle einzugehen.
Die Entwicklungen haben keine Auswirkungen auf den Zugang zu regulierten Online-Glücksspielangeboten in Deutschland gezeigt, da diese seit 2021 unter dem neuen Regelwerk lizenziert werden und separate Aufsichtsmechanismen unterliegen. Forscher der Universität Maastricht haben in einer Studie zu EU-Glücksspielmärkten festgestellt, dass regulatorische Übergänge in mehreren Mitgliedstaaten ähnliche Übergangsfragen aufwarfen.
Die anhängigen Verfahren vor deutschen Gerichten und dem EuGH beleuchten die Schnittstelle zwischen nationalem Glücksspielrecht und EU-Grundfreiheiten im Zeitraum 2012 bis 2021. Entscheidungen im Jahr 2026 könnten Maßstäbe für vergleichbare Fälle setzen und die Abwicklung von Ansprüchen beeinflussen. Die Situation bleibt durch die laufenden Prüfungen geprägt, ohne direkte Rückschlüsse auf den aktuellen regulierten Markt zuzulassen.